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Brasilien: Che und der Koch
Und es ward wieder einmal Carnaval

Ich sag es gleich und klar: Ich bin nicht die richtige Person um über Carnaval zu schreiben! Alle wissen das und schimpfen über meine Muffelei. Spaßbremse! Aber wie immer bleibt es letztlich wieder einmal an mir hängen, etwas zum unvermeidlichen Fasching zu schreiben. "Du lebst doch in Brasilien, was willst Du denn?"
Ob ich den Carnaval denn nicht möge? Nun, seit Jahren versuche ich verzweifelt, mich mit ihm anzufreunden. Eigentlich schon seit ich Anfang der 90er Jahre aus dem evangelisch geprägten Bergischen Land in die katholische Karnevalshochburg Köln umzog. 30 Kilometer in südwestlicher Richtung über die Autobahn können einen gewaltigen Quantensprung bedeuten.
Weitere 11.000 Kilometer in südwestlicher Richtung und ich bin in Rio de Janeiro, mitten im Getümmel. Seit sieben Jahren schon verbringe ich die Carnavalszeit in der Cidade Maravilhosa, fotoschießend im Sambódromo oder auf der Suche nach guten Sounds in den Straßen der Stadt. Eigentlich wird meine Laune stets schlechter und nicht besser wenn um mich herum alle durch die Gegend hüpfen. Dröger Lutheraner.... Oder doch nicht normal? Stets stelle ich mir diese und eine weitere Frage: Wozu das alles?
In Deutschland sagt man gerne, dass das närrische Treiben ein Protest gegen die Obrigkeit sei, Spaß und Spott als Ventil für den Frust des kleinen Mannes.
Protest gegen die Obrigkeit? Nun, in Deutschland, wo alle 360 Tage im Jahr brav sind, kann ich ja noch verstehen, dass man da fünf durchgeknallte Tage zum Ausgleich braucht. Aber die stets coolen Brasilianer?
Meine Freundin zum Beispiel; die singt sowieso das ganze Jahr über Carnavalslieder. Und die Großen und Mächtigen verspottet eigentlich jeder und stets. Muss man da jetzt im Carnaval noch mal eine Schüppe drauflegen? "Nächstes Jahr werde ich den ganzen Carnaval durch einen draufmachen. Dann hält mich nichts zurück", kündigt meine Liebste mir stets an. Manchmal hört es sich fast wie eine Drohung an...